RIGMOR von Glückstadt

Die Geschichte der RIGMOR

Die "RIGMOR von Glückstadt" wurde 1853 in Glückstadt an der Elbe gebaut und ist das älteste fahrtüchtige Segelschiff Deutschlands.

Sie wurde als Kutter mit geringem Tiefgang konstruiert, um auch in flachen Gewässern noch manövrierfähig zu sein, was für ihren Einsatz als Zollkreuzer sehr wichtig war. Zur Gewährleistung ihrer vollen Segelfähigkeit hoch am Wind brachte man zum Ausgleich 2 Seitenschwerter an.

Zollkreuzer No.5
Wahrscheinliches Aussehen des Zollkreuzers No.5 (Zeichnung)

Das Schiff wurde als Zollkreuzer No.5 auf der [Werft Johann Paul Schröder] in Glückstadt für das [Königlich Dänische Kreuzzollwesen] gebaut.

Die Aufgaben des Zollkreuzers waren die Überprüfung und Durchsuchung ankommender Schiffe auf zollpflichtige Waren und die Bekämpfung des Schmuggels. Dazu war das Schiff mit einer Falconette (eine leichte Bordkanone) und mit Gewehren ausgerüstet, um verdächtige Schiffe zum Beidrehen zu zwingen. Ferner gehörte ein Beiboot zur Kontrolle von flachen Häfen und Prielen (den Wasserläufen im Watt) zur Standardausrüstung. Zur Besatzung gehörte neben dem Kapitän G. J. Matzen als Kreuzzollassistent noch ein Kreuzzollbediensteter und vermutlich 2-3 Seeleute. Das Einsatzgebiet des Schiffes war in der Schmaltiefe bei der Insel Amrum an der nordfriesischen Küste, wo es bis zum Beginn des Krieges zwischen Dänemark und Preußen stationiert war.

Im Herbst 1864 wurde der Kutter No.5 zusammen mit anderen beschlagnahmten Zollkreuzern von den Preußen von Hamburg aus zum Begutachten und Verkaufen nach Wyk auf Föhr gebracht. Das Schiff wurde ausgemustert und nicht in das neue preußische Zollwesen übernommen. Am 6. Juni 1865 wurde es in Wyk öffentlich versteigert.

G.J.Matzen ersteigerte sein altes Schiff für wenig Geld und baute es unter dem Namen TREUE zum Frachtsegler um. Als solcher blieb es bis 1874 im nordfriesischen Wattenmeer und diente als Austerntransporter zwischen den Inseln und dem Festland. Dann wurde das Schiff nach Dänemark verkauft und erhielt den Namen MANNA. Dort wechselte es noch mehrfach Besitzer und Namen. Eine genaue Liste folgt am Berichtsende.

1917 wurde das Schiff wieder verkauft und von seinem neuen Besitzer C. Christensen unter dem Namen RIGMOR zum Steinfischer umgerüstet. Steinfischer sind bis heute kleine Schiffe mit wenig Tiefgang und guter Seetüchtigkeit. Sie werden für Baggerarbeiten, Taucherei, Wrackfischerei, Saug- und Spülarbeiten in flachen Gewässern oder in kleinen Häfen eingesetzt.

Die RIGMOR als Steinfischer
Einsatz der RIGMOR als Steinfischer

1970 entdeckte der Glückstädter Joachim Kaiser bei einer Segeltour in Dänemark die RIGMOR, die als Steinfischer die Hafeneinfahrt von Hesnaes auf Falster ausbaggerte. Da Fotos alter Segelschiffe sein Hobby waren, und die RIGMOR sichtlich ein alter hölzerner Segler war, fotografierte er das kleine Schiff, verfolgte seine Geschichte aber noch nicht weiter. Einige Jahre später erfuhr er von einem Freund, daß in den Schiffspapieren der RIGMOR als Bauwerft Schröder in Glückstadt angegeben war - das Interesse an dem historischen Schiff erwachte.

1984 beendete der damalige Besitzer E. Olesen die Steinfischerei. Das Schiff war mit der geringen Traglast von 35 t nicht mehr wirtschaftlich. Er verkaufte es an einen Freizeitsegler, der die RIGMOR aber nicht erhalten konnte - das Schiff begann zu verkommen.

In Glückstadt hatte J.Kaiser sich inzwischen mit der Geschichte der RIGMOR befasst und zusammen mit anderen Liebhabern alter Segelschiffe in mühevollen Recherchen herausgefunden, daß sie das älteste in Deutschland gebaute Segelschiff war. Es bildete sich ein Interessengemeinschaft, die das Schiff für Glückstadt kaufen und restaurieren wollte.

1992 war es dann soweit, und am 11. Oktober 1992 lief die RIGMOR als Glückstädter Schiff wieder in ihren Geburtshafen Glückstadt ein.

Die RIGMOR kehrt heim

Mehr über die folgende [Restaurierung] können Sie auf der entsprechenden Webseite erfahren.

Hier nun die Liste der Namen und Eigner der RIGMOR von ihrem ersten Stapellauf 1853 bis zum zweiten Stapellauf 2002:

Name Heimathafen Eigentümer Funktion Von - Bis
No. 5 Amrum Kgl.Dän.Kreuzzollwesen Zollkreuzer 1853-1865
TREUE Amrum G.J.Matzen Austerntransport 1865-18 74
MANNA Ribe C.K.Thygesen Frachtschiff 1874-1885
ANNA CHRISTINE Egernsund C.K.Thygesen Frachtschiff 1885-1887
ST. FERNANDE Heils C.K.Berg Frachtschiff 1887-1911
TVENDE BROEDERE Kolding P.P.Skag Frachtschiff 1911-1916
TVENDE BROEDERE Vejle Hans-Peter Christoffersen Frachtschiff 1916-1917
RIGMOR Vejle C.Christensen Steinfischer 1917-1921
RIGMOR Aarhus A.K.Tingskov Steinfischer 1921-1923
RIGMOR Horsens P.M.Christiansen Steinfischer 1923-1954
RIGMOR Espergærde E.Olesen Steinfischer 1954-1985
RIGMOR Lynæs H.Barsbølle Freizeit-Schiff 1985-1987
RIGMOR Kopenhagen C.K.Brooks Freizeit-Schiff 1984-1992
RIGMOR Glückstadt Förderverein RIGMOR von Glückstadt Museumsschiff ab 1992
Förderverein RIGMOR von Glückstadt e.V., Geschäftsstelle: rigmor@rigmor.de